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Vereinheitlichung von elektromagnetischer und schwacher Wechselwirkung

Wir wissen, daß die Phase einer Wellenfunktion nicht meßbar ist. Man kann sie mit einer globalen Eichtransformation beliebig umdefinieren. Die Tatsache, daß sich dadurch nichts ändert, nennt man globale Eichinvarianz. In Quantenfeldtheorien fordert man darüber hinaus auch eine lokale Eichinvarianz, d.h. die Invarianz unter einer zeit- und ortsabhängigen Phasentransformation. Wir wollen dies Anhand der QED rekapitulieren:

(8.45)

Dabei darf eine beliebige Funktion sein. Die lokalen Eichtransformationen bilden zusammen die Gruppe U:

   U

Wie wir in Abschnitt 7.13.1 gesehen haben, ist jedoch die freie Dirac-Lagrangedichte,

   ,

nicht invariant gegenüber lokalen Eichtransformationen. Dies kann erst durch Einführung von Eichfeld und kovarianter Ableitung (minimale Substitution) behoben werden:

(8.46)
(8.47)

Mit dem Feldstärketensor

(8.48)

erhielten wir schließlich die Lagrangedichte der QED (7.31):

(8.49)

Da das Photon masselos ist, enthält (8.49) keinen Massenterm der Form

   .

Dieser würde auch die Eichinvarianz unter der Transformation (8.46) brechen.

Unser Ziel ist es nun, eine Eichtheorie für die elektroschwache Wechselwirkung aufzustellen. Dabei werden wir vorerst nur die Leptonen ,   berücksichtigen - die Quarks können ganz analog behandelt werden. Die linkshändigen Zustände der Leptonen können wir als linkshändiges Dublett schreiben und entsprechende Projektionsoperatoren definieren:


Wir fassen nun dieses linkshändige Dublett als Basisdarstellung einer neuen Symmetrie SU(2) dem schwachen Isospin, auf. Die zugehörigen Quantenzahlen sind:

   
   

Das Triplett der schwachen Isospinströme ist gegeben durch:

(8.50)

Dabei sind die Pauli-Matrizen,

(8.51)

welche die Generatoren der Gruppe SU(2) darstellen.

Die -Bosonen koppeln an Linearkombinationen der Komponenten des schwachen Isospinstromes:

 
 

Auf die Relevanz des neutralen schwachen Stromes ,

(8.52)

werden wir später eingehen (s. Seite ).

Im Gegensatz zur schwachen Wechselwirkung koppelt die elektromagnetische Wechselwirkung auch an rechtshändige geladene Leptonen . Um dies zu berücksichtigen, zerlegen wir zunächst den elektromagnetischen Vektorstrom in rechts- und linkshändigen Anteil:

Dabei führen wir das rechtshändige Singulett ein, dem wir bezüglich SU(2) die Quantenzahlen , zuordnen. Außerdem betrachten wir die schwache Hyperladung mit zugehöriger Symmetrie U(1) Die schwache Hyperladung ist über die Gell-Mann-Nishina-Relation (8.53) mit der elektrischen Ladung und dem schwachen Isospin verknüpft:

(8.53)

Wir erhalten dann:

:     linkshändiges Dublett
:     rechtshändiges Singulett

Analog zu (8.50) ergibt sich der schwache Hyperladungsstrom zu:

(8.54)

Eichprinzip.

Wir fordern nun für die freie Lagrangedichte der Leptonen (bei vernachlässigter Masse)

(8.55)

eine Invarianz unter lokalen SU Transformationen:


Wie üblich führt man dazu eine minimale Substitution durch:


Dabei sind bzw. die SU(2) - bzw. U(1)-Eichfelder und bzw. die zugehörigen Kopplungskonstanten. Die Feldstärketensoren lauten dann analog wie in QED (8.48) und QCD (7.33):

(8.56)
(8.57)

Die Lagrangedichte der elektroschwachen Wechselwirkung lautet dann:

(8.58)

Hierbei bewirkt der Term 8.58) eine Selbstwechselwirkung der Eichfelder, nämlich die Kopplungen von drei und vier -Feldern.


Wechselwirkung mit geladenen Strömen:

(8.59)

(8.60)

Die geladenen -Bosonen sind die -Eichfelder in (8.60), womit sich die bekannte VA-Theorie für Leptonen ergibt:

(8.61)


Wechselwirkung mit neutralen Strömen:

(8.62)

Die Lagrangedichte (8.62) enthält auch die Kopplung des Photonfeldes an den elektromagnetischen Strom. Photon und sind durch eine Drehung mit und verbunden:

  (8.63)
(8.64)

Der Drehwinkel Weinberg-Winkel. Experimentell erhält man:

Aus (8.62) ergibt sich mit (8.63) und (8.64) die Lagrangedichte des neutralen Stromes:
 
    (8.65)

Da Neutrinos nicht an Photonen koppeln, muß gelten:

(8.66)

Photonen koppeln gleich an links- und rechtshändige geladene Leptonen, d.h. rein vektoriell. Deshalb muß gelten:

(8.67)

Aus (8.66) und (8.67) ergibt sich:

(8.68)
(8.69)

Die Lagrangedichte (8.65) kann damit auch folgendermaßen geschrieben werden:

(8.70)

An (8.70) kann man erkennen, daß auch die -Lepton-Kopplung paritätsverletzend ist. Anders als bei ist hier jedoch die Paritätsverletzung nicht maximal, sondern nur teilweise.

Feynman-Regeln:


Einbeziehung der Quarks:

Da die Konstruktion von allein auf Symmetrieprinzipien basiert, müssen wir nur die Quantenzahlen der Quarks bezüglich des schwachen Isospins und der schwachen Hyperladung festlegen.

ist gleich der Summe der elektrischen Ladungen in einem Dublett.



   


Da die CKM-Matrix unitär ist ( ), hat sie keinen Einfluß auf den neutralen schwachen Strom bzw. die -Quark-Kopplung:


Noch nicht behandelt haben wir das Problem, daß bislang alle vier Eichbosonen , und masselos sind. Dies ist eine Konsequenz der SU(2) U(1)-Eichsymmetrie: Die Massenterme

(8.72)

verletzen die SU(2) U(1)-Eichsymmetrie. Lösen läßt sich dieses Problem durch spontane Symmetriebrechung. Der Preis für diese Lösung ist allerdings die Einführung neuer skalarer Higgsfelder, die bislang experimentell nicht nachgewiesen wurden.

Komplexes skalares Higgsdublett:

Lagrangedichte mit Selbstwechselwirkung:

(8.73)

Mit dem Potential:

(8.74)

Man stellt sich vor, daß das Potential im Frühstadium des Universums nur ein Minimum hatte (Abb. 8.31). Später kam es nach einiger Abkühlung zu einer spontanen Symmetriebrechung (Abb. 8.32), die mit der beim Ferromagnetismus vergleichbar ist.

Im Grundzustand ist nach Abb. 8.32 .


Die Ankopplung der elektroschwachen Eichfelder und an das Higgsdublett erfolgt wieder durch minimale Substitution

(8.75)

Die eichinvariante Lagrangedichte lautet dann:

(8.76)

Die vier Higgs-Freiheitsgrade lassen sich durch und parametrisieren:

(8.77)

beschreibt dabei die Elementaranregungen des Higgsfeldes.

Alle sind mit entartete, gleichwertige Grundzustände (Vakua), da das Potential für alle diese Zustände den gleichen Wert annimmt. Die drei Freiheitsgrade beschreiben sogenannte masselose Goldstone-Bosonen. Diese können jedoch weggeeicht werden. Vernachlässigt man die Higgsteilchen , so erhält man:


Dies sind genau Massenterme der Art (8.73) für - und -Bosonen mit folgenden Massen:


Theoretisch ergibt sich also die Massenrelation:

Experimentell findet man:

Mit der Fermikonstante erhält man außerdem als Erwartungswert des Higgsfeldes:

Die orthogonale Linearkombination

(8.79)

ist masselos und kann mit dem Photon identifiziert werden.

Der Higgsmechanismus liefert also eine


Higgsmasse:

Durch Einsetzen in (8.75) und Entwicklung nach erhält man:


Die Higgsmasse

ist ein freier Parameter der Theorie. Die aus elektroschwachen Strahlungskorrekturen bestimmte empirische Untergrenze liegt bei


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